Schiefe Wände, hohe Decken, alte Böden
In Altbauten ist kaum eine Wand lotrecht und kaum ein Boden eben. Das betrifft vor allem Einbaumöbel, Küchen und Fußleisten: Was auf dem Millimeterpapier passt, klemmt in der Realität. Messen Sie an mehreren Punkten und planen Sie Ausgleichsleisten oder Blenden ein.
Dielenböden sind meist zu retten. Abschleifen und ölen ist häufig günstiger und schöner als neu verlegen – vorausgesetzt, die Dielen sind dick genug und nicht mehrfach abgeschliffen. Prüfen Sie zuvor auf Schädlingsbefall und lose Bretter.
- Wände und Böden an mehreren Punkten messen
- Ausgleichsmaße für Küchen und Einbauten einplanen
- Dielen prüfen: abschleifen statt ersetzen
- Türen und Zargen aufarbeiten statt tauschen
Elektrik und Leitungen: der häufigste Kostentreiber
Alte Elektroinstallationen ohne Schutzleiter, Stoffleitungen, zu wenige Stromkreise oder Schraubsicherungen sind in unsanierten Altbauten die Regel. Sobald Wände offen sind, sollte die Elektrik erneuert werden – alles andere ist Sparen an der falschen Stelle. Rechnen Sie mit einem spürbaren Posten im Budget, aber auch mit dauerhaftem Sicherheitsgewinn.
Ähnliches gilt für Wasserleitungen aus Blei oder verzinktem Stahl. Bleileitungen müssen ersetzt werden; verzinkte Leitungen setzen sich mit den Jahren zu und drosseln den Druck. Beides fällt oft erst beim Öffnen der Wand auf – deshalb der Puffer.
- Elektrik bei offenen Wänden komplett erneuern
- Ausreichend Stromkreise und Steckdosen planen
- Bleileitungen zwingend ersetzen
- Heizkörperanschlüsse und Ventile mitprüfen
Feuchtigkeit, Schimmel und Wärmeschutz
Kalte Außenwände, Wärmebrücken an Fensterlaibungen und dichte neue Fenster in einem sonst luftdurchlässigen Gebäude sind die klassische Schimmelkombination. Vor dem Anstrich gehört die Ursache geklärt: Wo kommt die Feuchte her – von außen, von aufsteigender Nässe oder aus der Raumluft?
Innendämmung ist möglich, aber bauphysikalisch heikel. Sie sollte fachlich geplant und mit geeigneten, kapillaraktiven Systemen ausgeführt werden. Nur zu überstreichen löst nichts: Der Schimmel kommt in der nächsten Heizperiode zurück.
- Ursache der Feuchte vor dem Anstrich klären
- Befallene Flächen fachgerecht sanieren, nicht überstreichen
- Innendämmung nur mit geeignetem System
- Lüftungskonzept nach Fenstertausch bedenken
Stuck, Denkmalschutz und Genehmigungen
Stuckdecken, Kastenfenster und historische Türen sind der Wert der Wohnung. Stuck lässt sich reinigen und nachziehen; wiederholte Anstriche mit dicker Dispersion zerstören dagegen die Konturen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden – in Wiesbaden und Mainz keine Seltenheit – sind Fenster, Fassaden und teils auch Innenbauteile genehmigungspflichtig.
Klären Sie den Denkmalstatus vor der Planung mit der zuständigen Behörde ab. Nachträgliche Rückbauforderungen sind teuer, und Fördermittel für denkmalgerechte Sanierung gibt es nur bei vorheriger Abstimmung.
Realistisch kalkulieren
Für Altbauten gilt: Planen Sie 15 bis 20 Prozent Reserve ein, nicht 5. Beginnen Sie die Arbeiten möglichst in einer leeren Wohnung – zwischen Möbeln zu arbeiten kostet Zeit, und Zeit ist der Preis. Eine kurze Einlagerung des Hausrats ist oft günstiger als die Verlängerung der Bauzeit.
Vergeben Sie zusammenhängende Leistungen möglichst aus einer Hand. Wenn Entrümpelung, Maler, Boden und Endreinigung koordiniert sind, entfallen Wartezeiten zwischen den Gewerken – der häufigste Grund, warum Altbausanierungen aus dem Zeitplan laufen.

